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Nennen wir es Anarcho-Journalismus: Unabhängig finanzierter Projekt-Journalismus ohne starke Institutionen wie Verlage, Stiftungen und Mäzene, ohne Türsteher und Vorkoster. Offener Journalismus, Prozessjournalismus, Postindustrieller Journalismus.

Deutschland hängt dabei etwas zurück – wahrscheinlich, weil die Misere hier noch nicht so offensichtlich ist, wie in Amerika. Aber das ändert sich gerade. Deswegen brauchen wir mehr Experimente. Wir brauchen neue Versuche, wirklich unabhängigen Journalismus zu finanzieren. Wir brauchen mehr Anarcho-Journalismus.

Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von Jetzt.de, brauchte nur fünf Tage, um das 5.000-Euro-Ziel für sein neues Buch zu überschreiten. Diese Summe hat das Projekt inzwischen verdoppelt – ein toller Erfolg für sein Journalismus-Crowdfunding-Experiment.

Im Interview spricht Dirk von Gehlen darüber, wie er den Verlauf seiner Kampagne erlebt hat, welche Ratschläge er Journalisten gibt, die selbst eine Story crowdfunden wollen, und welche Chancen Crowdfunding für den krisengeschüttelten Journalismus bietet.

Lindsey Hoshaw ist eine amerikanische Journalistin, die sich auf Umwelt-Geschichten spezialisiert hat. Ihre erst große Story, die später in der New York Times erschien, berichtete über den “Great Pacific Garbage Patch”, einem riesigen Gebiet von Müllflecken mitten im Meer. 

Lindsey ergatterte einen Platz auf einem Forschungsschiff und bekam so die Möglichkeit, einen Monat lang auf See zu sein und über den Müllteppich zu berichten. Kleiner Haken bei der Sache: dieser Platz kostete 10.000 Dollar. Einen Betrag in dieser Höhe wollte auch die Times nicht für ihre Recherche aufbringen.

Also wandte sich Lindsey an die Crowdfunding-Plattform spot.us. Mit der Hilfe vieler verschiedener Unterstützer bekam sie das Geld in wenigen Wochen zusammen, konnte in See stechen und ihr Bericht wurde in der wichtigsten Zeitung des Landes gedruckt.

Wir haben Lindsey am Rand einer Konferenz in Gent, Belgien, getroffen und nach ihren Erfahrungen mit Journalismus-Crowdfunding, dem Ablauf ihrer Kampagne und Tipps für Kollegen befragt.

Ach ja: Dass das Video mit einem Mobiltelefon gedreht wurde, sieht und hört man ihm leider an.

Michael Maness ist der für Journalismus-Förderung zuständige Vizepräsident der Knight Foundation, einer der wichtigsten amerikanischen Stiftungen. Sie hat seit 2007 mehr als 150 Millionen Dollar in die Förderung von Journalismus gesteckt.

Unter den geförderten Projekten ist auch spot.us, die erste Journalismus-Crowdfunding-Plattform überhaupt, gegründet von dem damals 25 Jahre alten David Cohn. Die Knight Foundation ermöglichte seine visionäre Idee mit einer Spende von 340.000 Dollar.

Wir stellen Maness angesichts dieser Summe die naheliegende Frage: warum?

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"Es war ein unglaublicher Moment"

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Eines der erfolgreichsten Journalismus-Crowdfunding-Projekte aller Zeiten ist das Magazin Matter der beiden Technik- und Wissenschaftsjournalisten Bobbie Johnson und Jim Giles. Mit Ihrem Pitch bei Kickstarter gelang es ihnen im März 2012, 140.000 Dollar einzusammeln. Wie haben Sie das gemacht? Wir haben Bobbie Johnson gefragt.

Krautreporter: Herr Johnson, mit welchem Ergebnis haben sie bei ihrem Kickstarter-Projekt gerechnet?
Bobbie Johnson: Man kann wohl sagen: Wir hatten uns auf ein Scheitern eingestellt. Unser Finanzierungsziel von 50.000 Dollar war einfach die Summe, die wir brauchen würden, um das Projekt zu starten. Und wir hatten ein ähnliches Projekt auf Kickstarter gesehen, das 55.000 Dollar erreicht hatte. Also haben wir eine Summe angestrebt, die einigermaßen realistisch schien.

Und was passierte tatsächlich?
Tja, nach nur 36 Stunden hatten wir unser 50.000-Dollar-Ziel erreicht. Es war ein unglaublicher Moment. Ich habe zwei Tage lang nicht geschlafen.

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Unabhängig wie Onkel Otto

erschienen bei theeuropean.de

Irgendwie hat es der Anruf eines CSU-Pressesprechers beim ZDF geschafft, zum Skandal zu werden. Der Mann musste zurücktreten, weil er das tat, was zu seinem Job gehört:  bequatschen, spindoktorn und drohen. Zum Job der Journalisten gehört es, solche Leute abzuwimmeln und zu ignorieren. Aber beim ZDF muss man dazu offenbar besonders mutig sein, anders ist die Aufregung kaum zu erklären.

Nun fordert der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Rückzug aller Parteipolitiker aus den Gremien öffentlich-rechtlicher Sender im Wahljahr. Brender ist ein prominentes Opfer der politischen Durchfilzung des ZDF: 2009 hatten die Unions-Leute im ZDF-Verwaltungsrat seine Vertragsverlängerung verhindert. Sein Vorschlag ist eine Provokation, aber kein Lösung. Das zeigt das Beispiel des Hessischen Rundfunks.

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Liebe Mitglieder des Netzwerk Recherche, willkommen zur Jahreskonferenz. Wir hätten da ein paar Anträge zur Tagesordnung

Die heute beginnende Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche (NR) soll eigentlich ein Anfang werden. Der neue Vorstand will das Skandaljahr 2011 mit dem Rauswurf des Übervaters Thomas Leif möglichst rasch vergessen. V.i.S.d.P. liegen nun aber Dokumente vor, die Fragen aufwerfen: War Thomas Leif tatsächlich der einzige Verantwortliche für die finanziellen Unregelmäßigkeiten? Was wussten die übrigen Vorstandsmitglieder?

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„Ich gebe mir Mühe“

Thomas Heilmann ist bekannt als langjähriger Chef von Scholz & Friends – und als Investor: 2010 verkaufte er seine Anteile an Facebook. Seit 100 Tagen ist Heilmann nun für die CDU Berliner Justizsenator. Vorgänger Michael Braun musste nach elf Tagen im Amt gehen, weil er den Verkauf von Schrottimmobilien beurkundet hatte. Wie kommt die Verwandlung vom Werber zum Politiker voran?

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Claudius Seidl leitet seit zwölf Jahren das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und hat sein Blatt in dieser Zeit zu einem zentralen Ort für zeitgenössisches Deuten und Denken in den deutschen Medien gemacht. Im großen V.i.S.d.P.-Jahresrückblicksinterview spricht der Blattmacher und Filmkritiker über Guttenberg, Bin Laden und Fukushima, iPads, Dschungelshow und Brillengestelle, die Zukunft des Feuilletons und sein persönliches Jahr 2011.

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